So, hier kommt mein Bericht über meine erste Radsportveranstaltung... die
250km-Runde des Arber-Radmarathons! Ist etwas länglich geworden, aber das
war die Runde ja auch...
Das Vorfeld dieses Events war, naja sagen wir mal: etwas mina-typisch
spontan angehaucht.
Nach einer sowieso späten Anmeldung haben gewisse vernünftige Argumente
gegen eine Teilnahme gesprochen, unter anderem das Problem der Rückreise.
Dann kam Freitagnachmittag die alles nochmals in Frage stellende Info von
Wolfgang: er müsse nach dem Arber doch wieder nach Berlin, also wäre das
Problem mit dem Zurückkommen gelöst. Ich versuchte allerdings standfest zu
bleiben, schließlich gab es auch noch andere, durchaus entscheidende
Argumente dagegen, z.B. meine Diplomarbeit. Im Laufe des Abends dann immer
wieder der heimliche Klick auf die Seiten des Arber-Radmarathons und
stille Überlegungen, was dann noch erledigt werden müsste und wie... um
23:30 war es dann soweit: SMS an Wolfgang, ob er noch wach sei, dann
Telefonat mit Wolfgang: Wo übernachten, wie organisieren, wann morgen los,
zusammen radeln denkbar, ob er es mir zutraut und so... Die Fragen ließen
sich alle zufrieden stellend beantworten und so habe ich dann Samstag früh
um 0:15 entschieden, am Samstag Mittag Richtung Regensburg aufzubrechen.
Die Nacht war nicht sehr erholsam, denn mir steckten noch die 130 km bei
31° (6 Liter weggesoffen) von diesem Nachmittag im Leibe. Diese habe ich
übrigens auch nur runtergerissen, weil ich am Tag zuvor bei meinem
Einmal-um-Berlin-Training durch eine Rechtsabbiegerin, die mal eben den
Schulterblick vergessen hatte, jäh unterbrochen wurde. Um den psychischen
Schaden dieses Intermezzos so gering wie möglich zu halten, hab ich mich
dann entschieden, die Runde vom Vortag gleich zu Ende zu fahren, nachdem
ich mein Rad am Freitag in Hennigsdorf beim Stadtservice abgeholt habe.
Kaum zu Hause angekommen, mußte ich dann meinen Beinen die Frage stellen,
ob sie mir böse wären, wenn ich sie am Sonntag auf eine 250km-Tour mit
3300 Höhenmetern ansetze. Keine Ahnung, was die da vor sich hergeblubbert
haben ;-)
Samstag früh mußte dann noch schnell allerhand erledigt werden: Rad zur
Werkstatt, war auch sehr nötig nach dem Unfall, Übernachtung organisieren,
einkaufen, packen und so. War alles machbar, und um 13:15 war mein Rad in
Wolfgangs Fahrradtasche verpackt auf dem Rücksitz einer coolen Karre mit
'nem Stern auf der Haube und gemeinsam mit uns auf dem Weg nach
Regensburg. 230 Sachen auf der Autobahn - 4 Stunden Fahrzeit und wir waren
da. Gleich zum Dultplatz um die Startnummern abzuholen. Für mich war das
alles total aufregend... soviele Gleichgesinnte auf einem Haufen, alles um
einen rum drehte sich um Räder, super!!! Den ersten komischen Blick fing
ich mir dann auch gleich bei der Startnummernausgabe ein, dachte mir dann
aber nicht sonderlich viel dabei... Davon sollten dann aber später noch
einige mehr kommen, aber davon später.
Am Abend wurde dann gemeinsam mit den zwei Freunden von Wolfgang in der
Regensburger Altstadt jeweils annähernd eine Riesen-Pizza verdrückt
(keiner hats ganz geschafft, den Ehrgeiz wollten wir uns für morgen
aufheben) und dann schnell ins Bett. Leider war bei mir nicht viel mit
Schlafen, also begann ich, die Strecke und das Höhenprofil auswendig zu
lernen. Schlaf kam trotzdem nicht, dafür die Panik, wie ich mit zwei
schlaflosen Nächten dieses Vorhaben bewältigen soll, nachdem ich gerade
mal 5 Wochen Rennrad fahre. Ich versuchte dann mich nicht an den 5 Wochen
sondern an der angeblich ausreichenden Zahl Trainingskilometer
festzuhalten und hoffte, dass die körpereigenen Drogen nach den ersten
Kilometern dann schon ihr Eigenes Tun. Um 4:30 durfte ich dann endlich
aufstehen. Ich verstaute meine Sachen in den Taschen meines neuen und
ersten Trikots (Frauen aufgepasst: das gibt es mittlerweile:
Frauen-Trikots mit Spaghetti-Trägern und Trikottaschen!) und freute mich,
endlich diese dämliche Tasche unter meinem Oberrohr weglassen zu können.
Pünktlich um 5:30 war ich dann bei Wolfgang, Alfred und Mark am Hotel und
dann hieß es das erste aber nicht das letzte mal auf den Alfi warten. Wir
kamen aber noch pünktlich zum Massenstart, haben uns dann einfach ganz
nach vorne gestellt um uns dann später etwas ins mittlere Feld
zurückfallen zu lassen. Kurz nach 6 Uhr in der Früh rollten wir also los,
zunächst relativ gemach durch Regensburg. Und dann bemerkte ich etwas, das
Wolfgang mir so im Nebensatz schon angekündigt hatte: während gestern bei
der allgemeinen Startnummernausgabe die Geschlechterverteilung noch
vertretbar war, fand ich mich hier beim Start zu der 250ger-Runde zunächst
auf einsamen Posten: Von Männern umzingelt und weit und breit keine Frau.
Das war nicht sehr ermutigend und ich fragte mich nicht das letzte mal, ob
ich es mit dieser Aktion nicht endgültig übertrieben hätte und ich mich
vielleicht etwas verschätzt habe. Die ersten Kilometer nach Regensburg
rollten gut, aber auch nicht zu schnell, so mit 36 km/h in der Gruppe.
Dann kam der erste Anstieg und die Rache meines Körpers: Der wollte
einfach nicht so recht warm werden, mein Gehirn übrigens auch nicht, denn
irgendwann habe ich mir gedacht, dass ich gerne noch einen kleineren Gang
hätte und äußerte das zu meinem Leidwesen auch noch laut, um dann bei
einem Blick auf mein Kettenblatt festzustellen, dass ich noch auf dem
großen fahre… :-Sehr, sehr komisch.. für die Mitfahrer um mich herum...
Kurz darauf mußte ich trotz aller Bemühungen abreißen lassen. Leider kam
danach erstmal nichts und ich kämpfte mich eine Weile alleine durch und
machte dann den typischen Anfänger-Fehler: ich ließ nicht genügend Spiel
nach oben, was den Kräfteeinsatz anging und so mußte ich zwei weitere
Gruppen vorbeiziehen lassen, ohne mich ranhängen zu können. Dann kam der
große Geistesblitz und ich fuhr etwa langsamer, erholte mich etwas,
schaute regelmäßig nach hinten um dann die nächste Gruppe rechtzeitig zu
bemerken. Die ließ auch nicht lange auf sich warten, also schön Schwung
geholt und hinten dran und dann rollte es auch wieder… man, war ich
erleichtert!! Bis zur ersten Labestation hat mich dann nichts mehr
wirklich aus der Bahn geworfen, außer vielleicht die Diskussion zweier
Jungs hinter mir, ob ich nun ein Mann mit langen Haaren sei oder eine
Frau. Irgendwann sind sie dann an mir vorbeigeradelt um ihr Ergebnis zu
prüfen… Ich habe mir ernsthaft Gedanken gemacht, ob ich wirklich mit dem
Schwimmen anfangen soll, wenn meine Statur jetzt schon diese Frage offen
lässt… Dafür habe ich dann aber auch zwei weitere Damen erblickt,
Erleichterung. Bei Cham gabs dann Verpflegung, hier traf ich auch wieder
auf Wolfgang&co. Schnell ein paar Kalorien reingefuttert, Trinkflasche
aufgefüllt und dann war ich schon wieder ganz wild aufs Weiterfahren. Aber
da war ja noch Alfi und das Trödeln und das Warten auf ihn… na gut. Es
ging dann zunächst relativ flach weiter, aber wir wussten ja auch, was
jetzt kommen sollte. Nur darüber im Klaren, was das bedeutet, war ich mir
nicht. Komm halt ausm Flachland. Die Ausflüge in die Sächsische Schweiz
und in den Harz haben mir zwar wenigstens einen ersten Eindruck von
Anstiegen verschafft, doch was jetzt kam, war völlig neu für mich. 12 km
bergauf… Mit 12 km/h, manchmal etwas mehr, manchmal sogar noch weniger,
kämpfte ich mich da stetig hoch und dachte immerzu an Beppo, den
Straßenfeger von Momo. Dessen Konzept: Er schaut schlichtweg nicht auf die
lange Straße, die da noch vor ihm liegt, sondern macht in aller Ruhe einen
Zug nach dem anderen, um am Ende des Tages angekommen zu sein. So war’s
dann auch bei mir. Ich war in einer sehr netten Gruppe untergekommen, die
mir auch die Sorge wegen des Schwimmens nahmen… Angeblich sind hier nur so
wenige Frauen unterwegs, dass man eher glaubt, ein Mann mit ungewöhnlicher
Statur als eine Frau vor sich zu haben, selbst wenn dazu noch ein sehr
langer Zopf unter dem Helm den Rücken herunter baumelt. Na gut, lassen
wir’s mal dabei. Oben angekommen dann der Jubelschrei, der mir von so
manchem müden Fahrer um mich herum einen etwas verstörten Blick
einbrachte. Aber wozu bitte, macht man diese Quälerei? Zum Runterfahren!!
Also, die letzten hundert Meter hoch schon mal aufs große, schön Schwung
holen, an den verdutzt drein schauenden Kerlen vorbei und ab geht’s. alle
Müdigkeit war weg und ich einfach froh, dass ich’s geschafft habe. Ich
konnte nun meine Zweifel über Bord werfen, dass ich das packen kann.
Runter ging’s mit 60-80 km/h und so kam man fast erholt bei der nächsten
Verpflegungsstelle an. Mittlerweile hatte ich mich an die merkwürdigen
Blicke gewöhnt und freute mich lieber über das ein oder anderen
anerkennende Zunicken. Ein Herr hat mir sogar seinen Fahrrad-Abstell-Platz
angeboten als Anerkennung für die Führungsarbeit am Berg… Hatte ich gar
nicht so mitbekommen :-)
Gut erfrischt wurden dann Wolfgangs und meine Geduld wieder auf die Probe
gestellt, doch als Alfi dann sein Rad eingesammelt hatte gings weiter… auf
die nächste Spitze zu. Ab hier blieben wir zusammen. Ich wurde nun erst
richtig warm und mittlerweile überholten wir weit mehr Fahrer, als wir
vorbeiziehen lassen mussten. Nach weiteren 10 km aufwärts (Mittlerweile
hatte ich mich fast dran gewöhnt) kam die nächste Hammer-Abfahrt, die bei
Wolfgang 90 km/h auf den Tacho brachte, bei mir „nur“ knapp über 80. Und
ab jetzt spukte nur noch ein Gedanke in meinem Kopf: Die Rampe vor
Maibrunn. Bei jedem Anstieg die gleiche Frage: Ist das jetzt „DIE“ Rampe?
Ich hab schon alle um mich herum ganz kirre gemacht mit dieser Frage.
Dieser Nervenkitzel ging dann gute 40 km (Zwischendurch kam noch eine
Labestation, die ich in meiner Panik ganz vergessen hatte), dann war sie
endlich da. Und sie hielt was mir versprochen wurde. Die Zahl der Fahrer,
die abstiegen um zu schieben, stieg und merkwürdiger Weise auch die
derjenigen, die plötzlich Probleme mit Ihrem Rad hatten. Ich unterstell
dem ein oder anderen von denen mal ganz frech, dass sie sich nicht die
Blöße geben wollten einfach anzuhalten, weil sie zu müde waren . Viele
nahmen ihre Helme ab und manch einer öffnete sein Trikot so weit wie
möglich, wegen der sengenden Hitze. Ich war sehr dankbar für mein
Spaghetti-Träger-Trikot! Die Rampe war viel kürzer als die am Arber, dafür
vollkommen ohne Schatten und um einiges steiler. Immer schön neben einem
Ski-Lift her. Mir war klar, dass nach diesem Anstieg eigentlich alles
geschafft ist. Und so wars dann auch. Mit Jauchzen und Jubel stürzte ich
mich wieder in die Abfahrt, die paar Anstiege die dann noch kamen „rollte“
ich quasi schwerelos hoch (vielleicht habe ich auch einfach meine Beine
nicht mehr gespürt) in Vorfreude auf das versprochene Freibier bei der
letzten Verpflegestation in Saulburg. Nach Saulburg sollte es nur noch
flach weitergehen, daher gönnte ich mir auch wirklich ein Radler. Ne
Banane in den Mund und Wasser ins Gesicht, auf Alfi gewartet und dann
gings an die letzten Kilometer. Es hat sich rasch ein Grüppchen von ca 12
Leuten gefunden, wir viere waren allerdings recht weit vorne dabei.
nachdem Wolfgang eine Weile Führungsarbeit geleistet hat, war ich
eigentlich an der Reihe. Doch eine kurze Verwirrung bei einem Wortwechsel
mit Wolfgang brachte dann schon den wütenden Ruf von hinten: „Aus dem
Wind!“ Und schwupps, war ich auf dem Weg nach hinten ohne meine Arbeit
getan zu haben. Na gut, will mich ja nicht drum reißen. Ich sollte dann
auch später noch genug Gelegenheit haben, denn die 38-42 km/h, die der
liebe Mark da über weite Strecken vorlegte, wurden bis nach Regensburg
durchgezogen und haben den ein oder anderen aus diesem Trüppchem dann noch
abgeschüttelt, so dass ich auch noch in den Genuß kam. In Regensburg
erwartete uns dann das angekündigte „unschöne“ Ende: von der Polizei
wurden wir auf die Radwege gezwungen, bei der Anzahl von Radlern echt eine
gefährliche Sache. Aber wir kamen heil und glücklich am Dultplatz an. Ich
glaube, ich habe innerhalb der ersten Stunde mindestens 20 mal vor mich
hergefaselt, dass wir es geschafft haben und wie cool das doch sei!
Wolfgang hatte am Ende einen Netto-Schnitt von 28,2 km/h auf dem Tacho
(!!), Bei mir waren’s 27,8. Angesichts meiner kurzen RR-Karriere bin ich,
um es mal so zu sagen: Stolz wie Oskar! :-D
Und nächstes Jahr fahren wir mit unserer Frauen-Truppe hin, denn:
„we can do it“ ;-) !
Bis zur nächsten Ausfahrt, die kommt bei mir allerdings erst nach einer
kurzen Auszeit...
Liebe Grüße,
Mina
P.S.: habs geschafft ca 36h lang nur zur Nahrungsaufnahme aus dem Schlaf
zu erwachen...