17 Mai 2009 Oberbarnim und Berliner Urstromtal Tour
Route: http://www.rennradtraining.de/Touren/urstromtal.php
Distanz: ~ 190km
Höhenmeter: ~ 730m
Steigung: erst hügelig, später flach
Belag: Asphalt, einige Dorfkerne gepflastert
Das war mein zweites Tourenangebot gewesen und ich wollte dieses Mal auch wieder eine längere Distanz fahren wie schon am Sonntag zuvor im Südosten Berlins. Also mehr als 150km. Die Idee der Strecke ergab sich aus 3 Kriterien, die wie folgt sind. Ich wollte die Strecke zwischen Sydower Fließ und Dannenberg erkunden, in der Märkischen Schweiz auf dem Weg am Krugberg (129m ü.NN) vorbei und kurz vor Buckow über die Bollersdorfer Höhe fahren (ich liebe diesen "Berg") und schließlich ab Fürstenwalde dann nur noch die Distanz erweitern. Die Tour hat sich als ein Klassiker entpuppt und ich war überrascht wie viele Höhenmeter wir dann doch zu überwinden hatten.
Ich wache auf und denke, willst Du wirklich schon wieder fahren? Ja, ich will. Ich kann ja gar nicht anders, ich habe eine Tour angeboten. Der Kaffee wirkt langsam dort wo er soll. Die Sonne lässt schon kurz vor 8h morgens keinen Zweifel aufkommen, dass es ein erfolgreicher Tag wird. Ich fülle die Bidons, frühstücke dabei und verstaue alles Überlebenswichtige in den Trickottaschen was ein Rennradler braucht: also Schlauch, Reifenabzieher, Bananen und ein Orientierungswerkzeug älterer Bauart: die Karte. Ach so, dabei gehe ich zum wiederholten Male die Route auf bikemap durch und versuche sie exakt im Kopf abzuspeichern. Ich beeile mich ein wenig, schließlich muss ich ja die S-Bahn pünktlich bekommen. Am Bahnhof kein Ralf zu sehen, dem ich noch zugemailt hatte einfach zu zusteigen, falls er nicht mit dem RR nach Bernau fährt (was ich ihm zugetraut habe).
Also am Bahnhof ist es noch frisch, in der Sonne aber sehr angenehm und ich bin 2 Züge zu früh. Ab in die Bahn und es rollt Richtung Gesundbrunnen. Immer wieder das gleiche im Zug, ich werde müde. Jetzt denke ich, würde ich jetzt gerne schon fahren. Blöde Bahn. Am Gesundbrunnen steige ich aus und sehe im ersten Moment niemanden. Ich hatte dort einen alternativen Treffpunkt angeboten um von dort aus zusammen nach Bernau zu fahren. Da erblicke ich doch den Ralf und freue mich jetzt schon darüber die Tour nicht allein fahren zu müssen. Wieder ab in den nächsten Zug und die ersten Worte des Tages fallen. Zwischendurch musste ich tatsächlich mal auf den S-Bahnplan schauen, wir haben uns verquatscht und die auf dem Display angezeigten Bahnhofsnamen kommen mir nicht wirklich bekannt vor. Aber das liegt wohl eher daran dass ich nie Bahn fahre und schon gar nicht soweit draußen von Berlin. Endlich sind wir in Bernau angekommen.
Beim Aussteigen bemerke ich sofort die üblichen Verdächtigen und freue mich über Mitfahrer. Es sind: Mina, Maria, Jasper, Dirk und Wolfgang. Dann sind wir schon mal 7. Bei ersten gemeinsamen Gesprächen taucht noch ein Wolfgang auf und dann geht es auch pünktlich los.
Ich fahre vor und zwar so wie ich es mir vorher gemerkt habe. Kurz hinter Bernau gibt es die obligatorische Pinkelpause. Danach bemerke ich noch 2 andere RR-Fahrer, die aber nicht am Treffpunkt waren und ich frage mich ob sie jetzt bei uns mitfahren oder nicht. Es hat sich aber auf Grund der Geschwindigkeit irgendwie von selbst erledigt.
Wieder mal des Lebens froh, nicht zuletzt des Radfahrens wegen, roll es richtig angenehm. Der Fahrtwind tut gut. Die Luft wird wärmer. Beine noch nicht.
Die Strecke verspricht am Anfang nur Gutes, schöner Asphalt und traumhafte Landschaften. Links und rechts gibt es satte grüne Wiesen und jungfräuliche Weizenfelder. Ab Grüntal deuten sich langsam Wellen in der Landschaft an. Und so bleibt das erstmal. Bis Kruge/Gersdorf kann man gut fahren. Ab dort bis Gamensee gibt es einen scheußlichen Bodenbelag, asphaltiert aber sehr grobkörnig dabei. Die Fahrt wird deutlich erschwert. Ich werde in die Kenntnis gesetzt, früher gab es hier nur Kopfsteinpflaster. Also kein Grund zum Jammern. Unmittelbar kurz vor Gamensee gibt es ~ 100m Betonplattenweg, der hinunter führt und deshalb auch ohne Weiteres zu überwinden ist. Sofort danach gibt es einen kleinen Anstieg nach Krummenpfahl. Oben hat man dann in nördlicher Richtung einen schönen Ausblick auf die sich am Horizont erstreckende Schorfheide. In Dannenberg werden die Straßenverhältnisse bezüglich des Belags um vieles besser aber topographisch auch deutlich unregelmäßiger sprich hügeliger. Ab jetzt kämpfen wir auch noch mit dem Gegenwind der von Ost/Südost bläst. Kurz nach Dannenberg führt die Straße wieder mal über einen Hügel und weiter in Platzfelde zur B158. Dort warten die Schnelleren auf die noch fahrenden. Links geht es dann die berühmt berüchtigte lange Steigung nach Bad Freienwalde hoch, aber da wollen wir nicht entlang.
Nachdem alle wieder zusammen sind, kreuzen wir die B158 und freuen uns über das Rennradparadies, das uns vor den Toren Berlins geboten wird. Es folgt 6km lange, in der geilsten Beschaffenheit des Straßenbelages und geschützt vor dem Wind, leichte Abfahrt durch den Wald. Es ist leicht wellig und ich gebe zu, so eine Straße ist wie ein Zauber für mich und ich fühle mich genötigt, dort eben nicht langsam zu fahren. Also ein Gang runter geschaltet, aus dem Sattel, Unterlenker ehe schon in der Hand und Druck aufs Pedal gegeben um in der Sprintposition Speed aufzunehmen. Nochmal runter geschaltet. Ralf und Mina fühlen sich animiert und kommen mit. Wolfgang und Dirk auch. Das Feld reißt auseinander. Geschwindigkeit liegt knapp unter 60km/h. Deswegen fährt man doch Rennrad? Ich spreche jetzt mal nur von mir: deswegen fahre ich Rennrad? Und Ihr? Ich versuche die Geschwindigkeit zu halten um mich so lange wie möglich daran zu erfreuen. Die anderen auch. Der nächste Hügel wartet aber bereits schon. Ich denke auch wieder an das hintere Feld, also Speed raus und ich rolle bis zur nächsten Kreuzung, bis sich alle dort wieder einfinden.
Ab Wriezener Höhe, wie der Name schon sagt, sind die nächsten 15km richtig hügelig. Auf und Ab. Gegenwind und viel Arbeit vor uns. Kurz vor Reichenberg ist dann auch wieder ein Hügel der es in sich hat. Und warum? Weil alle anderen auf dieser Strecke schon eine Menge Kraft kosten.
Ab Reichenberg betreten bzw. befahren wir die Märkische Schweiz. Und wieder mal eine Zauberstraße. Also gedacht, getan und mit 60km/h und 53/12" ge-paced". Wieder hängt jemand an meinem Hinterrad. Ich drehe mich kurz um, so weit das möglich ist. Ich muss mich eben auch nach vorn orientieren. Ich erkenne nur das Fahrgestell und weiß sofort dass es wieder der Ralf ist. Wir fahren Richtung Buckow. Vom Weiten sehe ich die Rennleitung und wir müssen bremsen. Zuerst denke ich, es ist ein Unfall. Aber da in Buckow an diesem Wochenende ein Radfest stattfindet, wird nur der Autoverkehr umgeleitet. Endlich tun sie auch mal etwas für uns. Dort finden wir wieder zusammen. Also biegen wir links ab und es geht schön die Bollersdorfer Höhe hoch und direkt mit Beschleunigung und Vollspeed nach Buckow hinunter. Dort erwartet uns eine Pause (die nach hinein gemerkt viel zu lang ausgefallen ist und für mich persönlich bei einer Distanz von ~190km, schon nach 65km viel zu früh stattfand) und ein riesiger Trubel um das Rennrad. Die Straßen voller Carbonrenner und bunter Trikots, Fototermine, Gewinner mit Blumen in der Hand auf der Ehrenrunde und bestimmt auch Verlierer, noch mehr Räder...Alles was ein Jedermann braucht.
Nach der Pause sind die Beine ein wenig schwer, dem entsprechend auch die weitere Fahrt. Wir starten in der Zielgeraden, nach ein paar Kilometern geht es dann wieder. Kurz hinter Buckow und vor der B168 geht es links einen Radweg hinein der in Waldsieversdorf an den Bahnschienen entlang durch Dahmsdorf nach Schlagenthin führt und erneut in der B168 Richtung Müncheberg mündet. Ab hier geht es durch Schönfelde, Beerfelde und Trebus nach Fürstenwalde.
Die nächsten knapp 20km sind hügelig und wellig, was sonst. Für mich ein Grund ein Ausreißversuch zu starten. Ich gebe alles, auch gegen den Wind. Zwei Verfolger, Ralf und Mina direkt hinter mir. Ich bin weiter vorn. Diese Arbeit fordert mich ganz schön, ich gebe die Führung ab um kurz darauf wieder einen Angriff zu starten. Dieses Mal erfolgreich. Ich fahre also weiter die Hügel rauf und runter, gegen den Wind. Schneller als 38km/h geht es nicht. Die anderen beiden versuchen mich mit wechselnder Arbeit in der Führung einzuholen. In Trebus kommt eine schöne Abfahrt und ich freue mich über die kurze Verschnaufpause um unmittelbar darauf festzustellen, wo es runter geht, da geht es auch wieder hoch. Und das mit der gleichen Prozentzahl. Ich versuche den Speed mit in die Steigung zu nehmen. Das treibt meinen Puls sofort wieder hoch. Oben angekommen geht es mit deutlich gemäßigter aber stetiger Geschwindigkeit weiter, um den Puls ein wenig zu beruhigen, bis ich wieder mehr Pace aufnehme um kurz vor Fürstenwalde den letzten Hügel zu erklimmen um danach ins Dorf hinunter zu rollen. Dort warte ich auf Nachzügler. Die Verfolger sind kurz darauf da, der Rest auch. Ab Fürstenwalde verabschieden wir Wolfgang und Maria, die durch Erkner abkürzen.
Der Rest fährt weiter. Fürstenwalde lassen wir hinter uns und weil die Straße geradeaus geht, ist auch schon die nächste Steigung "zum Fahren nah". Oben angekommen sieht man links die Rauensche Berge (Rauener Berge). In Rauen geht es auch noch mal kurz hoch, es ist aber zu vernachlässigen. Das sollte auch die letzte Erhöhung an diesem Tag sein. Es geht dann nicht sonderlich spektakulär nach Storkow weiter, aber auch schön. Dort machen wir eine erneute Erfrischungspause. Nach Kilometer 112 erfreue ich mich an meinem Käsebrötchen und Zuckerwasser. Durch meine kleine Unsicherheit in der Streckenführung fahren wir jetzt in einem angenehmen Tempo einen kleinen Abstecher auf Straßen ohne Verkehr durch Neu Boston (dort hat der „Tour-Teufel“ Dieter "Didi" Senft sein Fahrradmuseum), Markgrafenpieske, Neu- und Alt Stahnsdorf. Ich übernehme wieder die Führung und verfalle dabei im Wind auf den nächsten 25km bis nach KW in Trance. Es meckert niemand, dass ich die ganze Zeit im Wind fahre ;-)
Nach fast 150km verlassen Mina und Jasper in KW die Tour. Also fahren wir nur noch zu viert (ich, Ralf, Dirk und Wolfgang) weiter. Und ich mache da weiter wo ich zuvor aufgehört habe. Auch wenn wir inzwischen windige Unterstützung von hinten haben, der Luftwiderstand und die Kilometer werden dadurch ja nicht weniger. Es macht mir pure Freude der Luft die Hörner zu zeigen und sie damit zu schneiden. Kurz vor Tollkrug verlassen mich doch vermehrt die Kräfte, ich gehe vorn raus um zu verschnaufen und versorge meine Energiespeicher mit der letzten Banane. Wolfgang übernimmt die Führung. Am BBI auf der Zufahrtsstraße gibt es eine klitzekleine Steigung, die erneut unsere Beine herausfordert. Ab jetzt denkt jeder, es ist nicht mehr weit. Es stimmt ja auch. Wir werden aber nochmals überrascht. Und zwar vom Gegenwind, weil uns die neue Straße um Selchow herum zwangsweise in die Situation bringt ein paar Kilometer wieder richtig heftig gegen den Wind zu fahren. Was für eine schöne Überraschung. Hinter Waßmannsdorf sammle ich meine letzten Kräfte um sofort nach dem Kopfsteinpflaster das Berliner Ortsschild im Sprint zu erreichen. Wir haben es geschafft!!! Die letzten Kilometer führen uns über die Ostkrone direkt nach Neukölln, wo Dirk und Wolfgang ihren Heimweg finden. Ich und Ralf finden jedenfalls nach rund 190km nur noch den Weg ins Laika um das Rennrad Rennrad sein zu lassen und unseren Hintern etwas richtig Gutes zu tun. Dort lümmeln wir uns in ein Liegestuhl und lassen bei 2 Weizen die Tour Revue passieren. Wir kamen aus dem Lachen nicht mehr raus.
Schöne Tour
Marcin
P.S.: http://www.rennradtraining.de/Photos/main.php?g2_itemId=796