Was kann man von Jedermannrennen halten?

Jedermannrennen sind keine Rennen, nicht wirklich, allenfalls eine Methode ordentlich Geld zu verdienen.

Trotzdem für die meisten sicher auch ein riesen Spaß und ein schönes Event will hier keiner jemandem vermiesen!
Aber es ist kein Radrennen, nennen wir es RTF mit Zeitnahme.

Bei einem Kurs von 70€, um mal ein bisschen Rad zu fahren, kann man sich aber schon an den Kopf fassen,
eine RTF mit ähnlichen Qualitäten kostet gerade mal 7€.

Wer meint, Jedermannrennen seien Rennen, dem ist zu empfehlen, zum Vergleich einmal an einem richtigen Rennen (Lizenzrennen) teilzunehmen.

Jedenfalls behaupten die Lizenzfahrer, das sei der Unterschied zwischen Rennradfahrern und Radrennfahrern.

Für den Anfang reicht vielleicht auch erstmal die Neuköllner Laktatrunde.

Folgende Unterschiede sind auszumachen: Beim Jedermann fährt Jedermann, also Otto und Ottilie, mit.
Dem entsprechend ist eine solche Veranstaltung auch mit gewissen Risiken verbunden:
großer Ehrgeiz, kaum Rennerfahrung, viele sind das Fahren in der Gruppe nicht gewöhnt usw.
Allerdings ist die Strecke auch besser abgesichert, weil die Veranstaltung in einem größeren Rahmen abläuft.
Lizenzrennen sind viel kleiner.
Der Ablauf ist auch extrem unterschiedlich.
Beim Jedermann, Alpenmarathon, Marathon etc. fährst du durch. Es plätschert immer dahin.
Es gibt kaum Attacken, Beschleunigungsphasen, hektisches Runterbremsen.
Beim Lizenrennen wird nur geballert.
Mit Pulsmonitor fahren ist reiner Luxus und völlige Verschwendung.
Von der ersten Sekunde geht es los.

Wenn du dich nicht vorher warm gefahren hast, hast du womöglich schon verloren.

Die Strecke ist nicht gänzlich abgesperrt, ständig muss wegen auf der Seite stehender Fahrzeuge,
die du hinten nicht siehst, abgebremst und wieder beschleunigt (von 25 auf über 50) werden.
Außerdem wird eng gefahren, wenn du nur eine kleine Lücke lässt, ist der nächste vor dir.

Bei diesem ständigen "Stop and Go" brennen dir in kürzester Zeit so dermaßen die Oberschenkel,
dass du, wenn du nicht auf die Zähne beisst und nicht Rennerfahrung gesammelt hast,
irgendwann bei einer Attacke nicht mehr mitkommst.

Das war es dann.

Probiere es einfach mal aus, fahre 3-4 mal kurz hintereinander in den roten Bereich,
je nachdem 170er bis 200er Puls und versuche dann einen hohen Schnitt zu fahren.
Z. B. beim Ortsschild am Ortseingang und -ausgang sowie nach 2 Kreuzungen voll hoch beschleunigen.
Erfolg hast du nur, wenn du Rennen fährst und Rennen fährst und Rennen fährst.
Du musst dich total quälen: "No pain - no gain".
Irgendwann hast du die nötige Härte und erreichst vielleicht was.
Beim Jedermann lullerst du im Prinzip nur durch.
Cyclassics oder Velothon sind eigentlich nichts anderes wie Open-Air Spinning.
Du hast jede Menge Rennradler vor dir und immer Windschatten.
Hohe Schnitte erreichst du auch mit wenigen Trainingskilometern.

Es fuhren ja zig andere Rennradler im Wind für Dich....

Autor: Wolfgang


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